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Geld zu gewinnen suchen. Es giebt Einige, die eifrig darnach trachten, es aber auch bald wieder verschwenden, wenn sie es erlangt haben. Dieses ist allerdings auch strafbar; allein bei weitem nicht so verwerflich, als wenn Jemand das Geld bloß um des Geldes willen liebt, welches in der That eine der niedrigsten Leidenschaften ist, wovon das Herz eines Menschen gefesselt werden kann. Dieß ist ein größeres, und für die Seele verderblicheres Laster, als in dem ganzen Verzeichnisse der sündlichen Begierden des Menschen zu finden ist. Würde dieses recht erwogen, so müßte es Jeden zu der ernsten Untersuchung anleiten, in wiefern die Versuchung zur Geldliebe einen Eingang in sein Herz gewonnen habe; und zwar um so mehr, da die Fortschritte, die dieses Laster in dem menschlichen Gemüthe macht, fast unmerklich und seine Wirkungen daher desto gefährlicher sind. Tausende halten vielleicht eine solche Warnung gegen den Geitz bei ihnen am unrechten Orte, und sind doch nichts destoweniger dieses Uebels schuldig. Wie kann es auch anders seyn, wenn man siehet, wie oft Diejenigen, die anfänglich wenig oder nichts besaßen, nachdem sie sich Summen erworben haben, noch mit derselben Sorge und ängstlichen Scharfsichtigkeit, mit welcher sie dieselben zusammenscharreten, beständig fortwirken, um diese Summen zu vermehren, zu verdoppeln oder zu verdreifachen. Heißt dieses ein ruhiges und angenehmes Leben führen? Oder heißt dies auch wohl reich seyn? Sehen wir nicht, wie diese Leute so früh auf sind, und erst so spät zur Ruhe kommen? Wie ihre Gedanken beständig auf ihre Geschäfte gerichtet und mit einer Menge von Gegenständen angefüllt sind? Wie sie dabei hin und her eilen,

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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 250. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/258&oldid=3378490 (Version vom 1.8.2018)