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solche Menschen, die mit dem, was sie haben, nicht zufrieden sind, sondern immer mehr verlangen, und daher, wenn es nur möglich ist, auch reich zu werden suchen, offenbar nicht in dem Vertrauen und Aufsehen auf die göttliche Vorsehung leben, zu welcher sie ermahnet sind, und ihnen folglich Gottseligkeit mit Genügsamkeit verbunden, kein großer Gewinn zu seyn scheint.

§. 7. Und wahrlich! es ist eine Schande für den Menschen, besonders für den Religiösgesinnten, daß er oft nicht weiß, wann er genug hat; wann er mit Gewinnen aufhören und sich begnügen soll; und daß er, obgleich ihm Gott eine reiche Ernte oder Einnahme nach der andern zufließen läßt, doch diese Wohlthaten nicht als Beweggründe ansiehet, sich endlich aus dem Gewühle der Welt zurückzuziehen, sondern dieselben vielmehr als Einladungen betrachtet, sich noch tiefer in die Geschäfte des Lebens einzulassen; als wenn er, jemehr er habe, auch desto mehr erwarten könne. Er erneuert daher seine Begierde und strengt sich mehr als jemals an, um seinen Theil davon zu tragen, so lange es noch etwas zu erjagen giebt. Gerade als ob Unruhe und nicht Abgeschiedenheit, Gewinnsucht und nicht Genügsamkeit, die Pflichten und die Quellen des Trostes eines Christen wären. Möchte doch dieses besser erwogen werden! Denn da der Geitz den Augen und der Wachsamkeit der Gesetze mehr als andere Laster entzogen ist, so ist er aus Mangel an gesetzlicher Aufsicht und Einschränkung desto gefährlicher.

Es ist nicht zu leugnen, daß sehr viele Menschen nicht des Unterhalts, sondern des Reichthums wegen,

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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 249. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/257&oldid=3378489 (Version vom 1.8.2018)