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ich greife nur das Böse in Allen an. Aber wie kann sich der Stolz mit der Religion vertragen, da diese ihn tadelt und verwirft? Oder wie läßt sich Ehrgeiz mit den Gesinnungen wahrer Diener der Religion vereinigen, deren Amt und Pflicht es ist, Demuth zu lehren und durch ihr Beispiel zu befördern? Und doch giebt es deren, leider! nur zu Viele, die nicht allein mit Andern an dem stolzen und eitlen Wesen der Welt Antheil nehmen, sondern sogar auf einen Namen und auf ein Amt stolz sind, das sie doch beständig an Selbstverleugung erinnern sollte. O! sie bedienen sich desselben nur, wie die Bettler des Namens Gottes und Christi sich bedienen, nämlich: um Etwas dadurch zu erlangen; indem sie die Vortheile dieses ehrwürdigen Standes sich zueignen, und so ihr Amt nur als ein politisches Hülfsmittel gebrauchen, um sich in der Welt hervorzuthun. Wie können Solche aber Diener Desjenigen seyn, der gesagt hat: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“[1] Giebt es in der Welt wohl Menschen, die mehr von sich eingenommen wären, als diese? Widerspricht man ihnen, so zeigen sie so viel Stolz und Anmaßung, daß man glauben sollte, diese gehörten zu ihrem Amte. Gieb ihnen guten Rath, so verachten sie dich. Wagst du es, einen von ihnen zu tadeln oder zu bestrafen, so ist er bereit, dich auf der Stelle in den Bann zu thun. ‚Ich bin Geistlicher, ein Aeltester der Kirche!’ ruft er aus; als ob diese Titel ihn gegen gerechten Tadel schützen könnten, da sie ihn doch in der That demselben nur um so vielmehr aussetzen, als Fehler und Verweigerung der Zurechtweisung bei einem


  1. Joh. 18, 36.
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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 232. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/240&oldid=3378472 (Version vom 1.8.2018)