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lieben, und sich seiner Herrschaft ergeben, ohne eine Versuchung dazu zu haben. Und dennoch habe ich in meinem ganzen Leben keine Menschen gesehen, die mehr von sich eingenommen gewesen wäre, als gerade diese. Wie ist es doch möglich, daß der Stolz die Menschen so sehr bethören und verblenden könne? Ist denn die Parteilichkeit ihrer Herzen so groß, daß sie mit ihren Augen nicht mehr recht sehen können? – Dieses beweiset in der That, daß die Eigenliebe die Menschen blind macht. Daß sie aber mit ihrer Eitelkeit noch Verschwendung verbinden, und so viele Kosten auf Etwas verwenden, das gar nicht zu ändern ist, zeigt wirklich die höchste Thorheit; besonders wenn man bedenkt, daß ihre Anwendung der Dinge, die für schön gehalten werden, ihre Häßlichkeit nur noch mehr heraushebt und erst recht bemerkbar macht, weil diese ihnen so übel anstehen.

Aber aus der Thorheit solcher Personen können wir deutlich abnehmen, was für ein Wesen der Mensch geworden ist, nachdem er seinen ursprünglichen herrlichen Zustand verloren hat. Und alle diese Uebel kommen, wie Jesus einst von der Sünde sagte, „aus seinem Innern“[1] Sie sind nämlich die Folgen seines Mangels an Aufmerksamkeit auf „das Wort seines Schöpfers in seinem Herzen,“[2] welches ihm seinen Stolz entdeckt, ihn Demuht und Selbstverleugnung lehret, und sein Gemüth auf den wahren Gegenstand seiner Verehrung und Anbetung richtet, indem es dasselbe mit einer feierlichen Achtung und Ehrfurcht erfüllt, die der höchsten Herrschaft und Majestät des Allmächtigen gebühret. O! was ist der arme sterbliche Mensch? – Ein lebender Staub; aus gleichem


  1. Math. 15, 11. 18. 19. 20.
  2. 5. Mos. 30, 14. Röm. 10, 8.
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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 224. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/232&oldid=3378464 (Version vom 1.8.2018)