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zu lassen; um Liebe einzuflößen; die Augen der Zuschauer auf sich zu ziehen und ihre Neigungen zu gewinnen. Und bei dem allen sind sie noch dazu so eigen, daß es schwer ist, ihnen zu gefallen. Nichts ist ihnen gut, oder fein oder modig genug. Ach! die Sonne, diese die Erde erquickende Wohlthat des Himmels, darf sie nicht bescheinen; sie möchte ihre Haut verderben! Der Wind muß nicht wehen, er könnte ihren Putz in Unordnung bringen! O! der schändlichen Verzärtelung! – Während sie aber so über alles in der Welt sich selbst schätzen, sind sie doch Sklaven; gefesselt vom Geiste des Stolzes und der Eitelkeit, der sie beherrscht, und den sie durch Bewunderung ihres Wuchses, ihrer Gesichtsbildung und ihrer Haut, verehren und anbeten.

Der Zweck aller solcher künstlichen und kostbaren Bemühungen und Anstrengungen ist nur zu oft kein anderer, als zu gefallen und unerlaubte Liebe zu erwecken, wodurch beide Geschlechter oft in eine eben so traurige als strafbare Lage versetzt werden. Bei unverheiratheten Personen sind immer die Folgen einer solchen Liebe verderblich; denn, wenn sie auch nicht zu unkeuschen Begierden Veranlassung giebt, so legt sie doch nie den Grund zu einer festen und dauerhaften Verbindung, die nur auf gegenseitiger innerer Achtung und Werthschätzung sicher beruhen kann, so wie der Mangel an einer solchen Grundlage die Hauptursache ist, daß es so viele unglückliche Ehen in der Welt giebt. Bei Verehelichten ist ein solches Benehmen noch sündlicher; da beide Theile, dem heiligen Gesetze der Ehe gemäß, nur einander zu gefallen suchen sollten. Und wenn sie darin der üppigen und eitlen Jugend nachahmen, so ist dieses immer ein schlechter

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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 222. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/230&oldid=3378462 (Version vom 1.8.2018)