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Freuden zu genießen, die noch kein fleischliches Auge gesehen, kein sinnliches Ohr gehört, kein weltlichgesinntes Herz vernommen hat, aber den Demüthigen, die sich in Wahrheit zu Gott bekehren, durch seinen Geist geoffenbaret werden. Bedenket, daß ihr nur Geschöpfe seid; daß ihr sterben müßt, und nach dem Tode in’s Gericht kommt.

§. 9. Persönlicher Stolz beschränkt sich aber nicht allein auf den hohen Werth, den die Menschen auf ihre Abkunft legen; er verleitet auch sowohl die Unadeligen als die Adeligen zu einer übertriebenen Schätzung ihrer Personen, besonders wenn sie auf körperliche Schönheit Anspruch machen können. Es ist zum Bewundern, wenn man siehet, wie sehr Einige von ihrer Person eingenommen sind; als wenn sonst nichts in der Welt ihrer Aufmerksamkeit werth sei, oder die Achtung Anderer verdiene! Doch würde es noch ihre Thorheit vermindern, wenn ihr Herz sich entschließen könnte, nur die Hälfte der Zeit, die sie mit Waschen, Schminken, Parfümiren und Putzanlegen verschwenden, dazu anzuwenden, daß sie an Gott und an ihr Ende dächten. Alle jene Dinge müssen aufs pünktlichste besorgt und aufs künstlichste gemacht werden, und an Ersparung der Kosten ist dabei nicht zu denken. Was daher das Uebel noch vergrößert, ist, daß mit dem, was der Stolz eines Einzelnen verlangt, die Bedürfnisse von zehn andern Menschen befriedigt werden könnten. Ja, ist es nicht grobe und entsetzliche Sünde, daß der Stolz und die Eitelkeit einer Nation mehr verschlingen, als die Unterhaltung aller ihrer Armen kosten würde? Und was haben die Menschen bei allen diesen Thorheiten für einen Zweck? – Um sich bewundern und verehren

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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 221. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/229&oldid=3378461 (Version vom 1.8.2018)