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von der Tugend entfernen, die allein wahren Adel verleihen kann. Hiervon geben uns, leider! die beklagenswerthe Unwissenheit und Zügellosigkeit, die wir unter nur zu Vielen unserer vornehmen Leute antreffen, die überzeugendsten Beweise. Und was für einer Geburt wollen sie dieses zuschreiben?

§. 7. Wie dem nun auch seyn mag, so ist es, nachdem ich dieses Alles gesagt habe, um eine falsche Eigenschaft herabzuwürdigen, keinesweges meine Absicht, einer andern, die nicht weniger tadelnswerth ist, das Wort zu reden. Man wolle mich nicht so verstehen, als suchte ich die ungebildete Klasse über den vornehmen Stand zu erheben. Davon bin ich weit entfernt; denn das grobe Benehmen roher Menschen würde die Sache nicht verbessern. Mein Zweck ist nur, Allen zu zeigen, worin der wahre Adel bestehet, damit Jeder auf dem Wege der Tugend und des Edelmuthes darnach streben möge. Auch muß ich, nach Allem, dem Edelmanne große Vorzüge einräumen, die seinen Stand wirklich erheben; so wie der Apostel Paulus den Juden, welche, stolz auf ihre Gesetze und äußern Beobachtungen, die Christen beleidigten, nachdem er sie gedemüthiget hatte, in Ansehung ihrer Verfassung und Einrichtung vor allen andern Völkern den Vorzug gab. Ich muß gestehen, die Lage unserer Großen ist der des niedrigern Standes weit vorzuziehen. Denn erstlich haben sie größere Macht, Gutes zu thun, und wenn hierin ihre Herzen mit ihrer Kraft und Fähigkeit übereinstimmen, so dienen sie in jedem Lande dem Volke zum Segen. Zweitens, da die Augen der Menge auf sie gerichtet sind, so ist es ihnen leicht, durch Güte, Gerechtigkeit und Wohlthätigkeit sich allgemeine Zuneigung und

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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 218. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/226&oldid=3378458 (Version vom 1.8.2018)