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§. 5. Wenn indessen Diejenigen, die ihre Abkunft so hoch anrechnen, sich verpflichtet halten wollen, Gott dadurch zu ehren, daß sie dem, was Er in der heiligen Schrift uns bekannt machen läßt, Glauben beimessen, so werden sie finden, „daß Er im Anfange alle Menschengeschlechter, die auf dem ganzen Erdboden wohnen, aus einem Blute gemacht hat,“[1] und daß wir alle von einem Elternpaare abstammen. Eine untrüglichere Geschlechtskunde werden auch die Besten unter uns nicht aufweisen können. Weiter herab kommen wir auf Noah, den zweiten Stammvater des menschlichen Geschlechts, und bis auf ihn wissen wir also etwas Zuverlässiges von unsern Vorfahren. Was für einen Antheil uns nun aber in unsern Tagen an den Titeln und Auszeichnungen gebühret, welche Andere seit jener Zeit entweder durch Gewalt sich zugeeignet oder durch Tugend erworben haben, dürfte wohl – wenn wir auch nur einige Jahrhunderte zurückgehen, – schwer zu bestimmen seyn.

§. 6. Mich dünkt auch, es müsse uns klar einleuchten, daß die Geburt Niemand zu einem vorzüglichen Menschen machen könne, wenn wir bemerken, daß diese Leute von vornehmer Abkunft, wenn sie ihren ganzen Staat und Putz abgelegt haben, von Natur kein besonderes Merkmaal an sich tragen, das sie von ihren geringern Nebenmenschen unterschiede. Und lassen wir sie selbst urtheilen, so werden sie uns gestehen müssen, daß sie bei allen Vorzügen ihrer Geburt dennoch jenen Leidenschaften unterworfen sind, welche die Menschen mit einander gemein haben, und folglich die Vornehmern den Geringern gleich machen, wo nicht noch weiter als Andere


  1. Apost. Gesch. 17, 26.
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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 217. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/225&oldid=3378457 (Version vom 1.8.2018)