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können daher auch nur Diejenigen, die seinen Tugenden nachahmen, auf seine Ehre Anspruch machen, obgleich seine übrigen Abkömmlinge sich auf ihre Abkunft von ihm berufen und auch seinen Namen führen mögen. Wenn also nur die Tugend wahren Adel verleihen kann, wie selbst die Heiden behaupten; so kann folglich eine Familie auch nur so lange wahrhaft adelig seyn, als sie tugendhaft ist. Und da ferner die Tugend nicht dem Geblüte oder der Abkunft anhängt, sondern in den guten Eigenschaften der Nachkommen bestehet, so folgt klar, daß die Abkunft kein Vorrecht gewährt; sonst würde diese die Tugend, als unnöthig, ausschließen, und Derjenige, dem es an Abkunft mangelte, auch auf die Wohlthaten der Tugend Verzicht leisten müssen, und dadurch würde dann der Adel, sobald es ihm an Alter fehlte, herabgesetzt, und die Tugend bei den Adeligen entbehrlich gemacht werden.

Nein, man lasse immer die Namen der Abkunft folgen, aber Adel und Tugend müssen Hand in Hand gehen; da sie so nahe Verwandte sind. So hat Gott selbst es verordnet, der am besten alle Dinge recht und billig zu vertheilen weiß. Er richtet sich mit seinem Wohlgefallen oder Mißfallen nicht nach der Abkunft der Menschen, und siehet auch nicht auf das, was sie waren, sondern auf das, was sie sind. Denn „er gedenkt nicht der Gerechtigkeit des Menschen, der seine Gerechtigkeit verläßt;“[1] und wird noch viel weniger den Ungerechten wegen der Tugenden seiner Vorfahren als einen Gerechten betrachten.


  1. Ezech. 18.
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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 216. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/224&oldid=3378456 (Version vom 1.8.2018)