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mehr Ehre zu erweisen, wenn man sie in der Mehrheit anredete; als wenn ein Papst aus mehrern Göttern und ein Kaiser aus mehrern Menschen bestände. Aus einem solchen Grunde wurden zuerst die Wörter: ihr, euch, euer oder eure, (und hernach bei den Deutschen auch: sie, ihnen, und ihr oder ihre) welche man sonst nur von mehrern Personen gebrauchte, auf einzelne angewendet. Es scheint, als wenn die Wörter: du, dir, dich etc. für Diejenigen, die gern ein größeres Ansehn haben wollten, als ihnen eigentlich gebührte, zu einfach waren, um die glänzende Achtung, die sie verlangten, auszudrücken, und daß man daher einen Styl zu erfinden suchte: der ihrem Ehrgeize entspräche. Dieses ist aber ein Grund, auf den wir nicht bauen können; da nur noch Solche, als ihn legten, Vergnügen und Vortheil in seiner Erhaltung zu finden glauben. Gesetzt aber auch, die Ausdrücke: Ihr, Euer, Sie, Ihre etc. schickten sich für einen Fürsten, so folgt daraus nicht, daß man sie auch auf gewöhnliche Menschen anwenden könne. Denn, wenn z. B. das Edict eines Fürsten so lautet: Wir wollen und befehlen etc., so können wir unter dem Worte: Wir verstehen, daß er vielleicht in Verbindung mit seinen Ministern und Räthen so rede; wird hingegen von einer Privatperson in der Mehrheit geredet, so ist dies unstreitig ein verkehrter Gebrauch der Worte. So wie jedoch der Stolz ihm seine Entstehung gab, ist auch die Schmeichelei allezeit geschäftig gewesen, ihn zu verbreiten. In England und Frankreich pflegte man ehemals die Namen: Monsieur, mein Herr, und Sir, Herr, nur dem Könige und seinem Bruder, und die Benennung: Madame, nur ihren

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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 196. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/204&oldid=3378436 (Version vom 1.8.2018)