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ihr liebet, sie lieben, mehr als eine Person bezeichnen. Diese unleugbare und unveränderliche Sprachregel sollte billig Jeden, der die Anfangsgründe seiner Sprachlehre nicht vergessen hat, klar überzeugen, daß wir nicht gegen die Vernunft handeln, wenn wir zu einer Person Du sagen. Denn wenn: du liebst die Einzahl, und: ihr liebet, oder sie lieben die Mehrzahl ausdrückt, oder wenn: du liebst nur eine Person, und: ihr liebet oder sie lieben mehrere Personen bezeichnet, und wenn man doch zu einer Person: ihr liebet oder sie lieben sagen kann, wird es denn nicht eben so richtig seyn, zu zehn Menschen: du liebst zu sagen? Aber warum können wir denn nicht auch: ich liebe statt wir lieben, und: wir lieben statt ich liebe sagen? Dieses müßte ja ohne Zweifel, so sonderbar und lächerlich es auch in der Sprache herauskommen würde, einerlei seyn.

§. 3. Wenn man zweitens, zu einer Person Du zu sagen, als unschicklich oder unhöflich betrachtet, wie kommt es denn, daß man in Schulen und auf Universitäten die ebräischen, griechischen und römischen Schriftsteller lieset, die doch keine andere Sprache führen? Oder warum dienen sie uns nicht auch hierin, wie in andern Dingen, zur Richtschnur? Und warum findet man es doch bei uns so lächerlich, daß wir in unsern Ausdrücken und nach den richtigen Vorschriften der Sprachlehre richten? Man hält es ja für vernünftig, den Schülern scharfe Verweise zu geben, wenn sie gegen die Sprachregeln fehlen, und ihr oder sie statt du setzen, und uns glaubt man mit Tadel und Verspottung

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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 193. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/201&oldid=3378433 (Version vom 1.8.2018)