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hat; dieses bestehet nämlich darin, daß wir einzelne Personen, ohne Unterschied des Standes, in der Rede nicht Sie oder Ihr, sondern Du nennen. Eine Sprache, die Einigen so sehr aufzufallen oder so grob vorzukommen scheint, daß sie nicht selten ihren Spott oder Unwillen erregt. Da nun dieselbe Hauptursache, die uns zur Unterlassung der vorhin gedachten weltlichen Gebräuche bewog, auch in diesem Stücke der Beweggrund zu unserer Abweichung von dem allgemeinen Sprachgebrauche (oder vielmehr von dem allgemein eingerissenen Mißbrauche der Sprache) ist, so werde ich nur noch diejenigen Vernunftgründe anführen, die ich zu unserer Rechtfertigung für nöthig halte; wiewohl sehr wahrscheinlich die hohen Gedanken, die einige unserer Tadler von sich selbst haben, ihnen schwerlich erlauben werden, zu glauben, daß es für ein so albernes Benehmen, als dieses ihnen zu seyn scheint, vernünftige Gründe geben könne.

§. 2. Worte sind, an sich betrachtet, nur Zeichen oder Mittel, deren die Menschen sich bedienen, um einander ihre Gedanken und Begriffe mitzutheilen, und sich mit einander zu unterreden. Nun ist zwar die Welt in viele Völkerschaften eingetheilt, von denen fast jede ihre besondere Sprache und von Andern verschiedene Mundart hat; allein in dem Begriffe von Singular und Plural, oder Einzahl und Mehrzahl der Dinge und Personen stimmen doch Alle, als in einer Grundregel der Sprache, überein. So verstehet z. B. Jedermann, wenn man sagt: ich liebe, du liebst, er liebt, daß nur von einer ersten, zweiten oder dritten Person die Rede ist; und daß hingegen die Worte: wir lieben,

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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 192. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/200&oldid=3378432 (Version vom 1.8.2018)