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und lehret uns, die Menschen nicht nach ihren äußern Verhältnissen, sondern nach ihrer innern Gemüthsverfassung und Gesinnung zu würdigen. Hiernach halten wir sie für edel oder unedel. In Gottes Augen ist Der, welcher der Sünde nicht dienet, frei; und wer durch Tugend sich auszeichnet, edel. Gott hat die Niedrigen und Verachteten der Welt erwählet, um dadurch die Großen zu demüthigen. Ueberdieß ist es große Thorheit, wenn Jemand auf seinen vornehmen Stand sich etwas einbildet; da Alle vor Gott gleich sind. Die Erkaufung der Armen und der Reichen kostete Christo ein gleiches Maß seinen Blutes. Auch ist es ganz unwesentlich, in was für einem Stande ein Mensch geboren ist; da die neue Kreatur keinen Unterschied der Stände kennt. Wollen wir aber vergessen, daß wir Alle von Einem Vater abstammen, so sollten wir uns doch wenigstens beständig erinnern, daß wir nur einen Erlöser haben.“

§. 40. Da ich mich einmal darauf eingelassen habe, jene eben so beliebten als nutzlosen Gebräuche, die, als eigenthümliche Erzeugnisse eitler und stolzer Gemüther, auch die Ergötzlichkeit derselben ausmachen, zu bestreiten; so will ich noch eine bemerkenswehrthe Stelle anführen, wie ich sie bei dem berühmten Casaubon in seiner Abhandlung über Sitten und Gebräuche vorfinde. Er berichtet uns daselbst in der Kürze, was zwischen Sulpitius Severus und Paulinus, dem Bischofe von Nola, vorfiel. Paulinus war einer von den gottseligen Männern, die Alles hingaben, um Gefangene zu befreien, während Andere gleiches Standes, um den Charakter ihres Herrn an den Tag zu legen, oft Viele

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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 188. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/196&oldid=3378428 (Version vom 1.8.2018)