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unbekannt, und wenn sie auch angewendet wurden, so geschahe es doch nur sehr selten. Sehen wir uns in der biblischen Geschichte um, so finden wir kein Beispiel von solchen Benennungen, als: Herr Adam, oder Herr von Adam! obgleich er Herr der Welt war; noch: Herr oder Herr von Noah, der doch zweiter Herr der Erde war; oder: der Herr von Abraham, der Vater der Gläubigen; der Herr Isaak, der Herr Jakob, u. s. w. Noch vielweniger: Herr Paulus, Herr Petrus, hochwürdiger Herr Apostel, u. dgl. und Nichts von Eure Heiligkeit, Eure Gnaden, u. s. w. Selbst die Heiden gebrauchten weit einfachere Benennungen ihrer Personen, und bedienten sich keiner so schmeichelhaften Anreden und Zeremonien in ihrem Umgange, als jetzt unter den Christen üblich sind. In keinem griechischen oder lateinischen Werke finden wir die Ausdrücke: Herr von Solon, Herr von Phocion, Herr von Plato, Herr von Aristoteles, Herr von Scipio, Herr von Fabius, Herr von Cato, Herr von Cicero; obgleich diese Männer die größten Weisen und Helden der mächtigsten Reiche der Welt waren. Ihre bloßen Namen waren hinreichend, sie vor andern Menschen auszuzeichnen, und ihre Tugenden, die sie in der Besorgung des öffentlichen Wohles an den Tag legten, machten ihre Ehrentitel aus. Auch hat jener eitle Gebrauch bei den lateinischen Schriftstellern sich noch nicht eingeschlichen, die der Gewohnheit treu geblieben sind, die gelehrtesten und ausgezeichnetsten Männer bloß bei ihren Namen anzuführen, und ihnen höchstens die Beinamen: weise und würdig, zuzueignen, die auch wir, wenn ihre Handlungen sie ihnen beilegen, ohne Gewissensscrupel

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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 183. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/191&oldid=3378423 (Version vom 1.8.2018)