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es Andern schwer seyn dürfte, gründliche Einwendungen dagegen zu machen. Das erste, was der Apostel uns ausdrücklich erklärt, ist: daß wir die Person nicht ansehen sollen; und das zweite, daß wir, wenn wir es thun, sündigen und das Gesetz Gottes übertreten; und zwar auf unsere eigene Gefahr. Dennoch werden vielleicht Einige sagen, daß wir auf diese Weise allen Unterschied der Stände unter den Menschen aufhöben, und dagegen eine Ehre und Achtung einführten, die bloß auf gegenseitiger Liebe und Werthschätzung beruhe. Wenn das die Folge dieser Lehre ist, so kann ich es nicht ändern, und der Apostel Jakobus, der sie uns als christlich und apostolisch überliefert hat, muß es verantworten. Es hat aber auch ein Größerer als er, seinen Jüngern, – von denen Jakobus einer war, – gesagt: „Ihr wisset, daß die weltlichen Fürsten herrschen, u. s. w. So soll es unter euch nicht seyn; sondern wenn Jemand unter euch gewaltig“ oder der Vornehmste „seyn will, der sei euer Diener.“[1] Das will sagen: Wer nach Ansehn und Herrschaft strebt, und gern der Vornehmste seyn will, der soll der Geringste unter euch seyn. Um überhaupt die Wahrheit zu sagen, so müssen wir gestehen, daß sowohl in den frühern Zeitaltern vor der Erscheinung Christi auf Erden, als auch in den zunächst darauf folgenden Zeiten, in den Sitten und Gebräuchen der Menschen weit mehr Einfachheit herrschte, als in unsern Tagen anzutreffen ist. Jene frühen Zeiten der Welt, so schlimm sie auch in andern Dingen gewesen seyn mögen, waren doch mit dem jetzt so allgemeinen Gebrauche schmeichelhafter Titel und anderer Thorheiten fast gänzlich


  1. Matth. 20, 25. 26. 27
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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 182. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/190&oldid=3378422 (Version vom 1.8.2018)