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ihm gebühret, aus Schmeichelei dem gefallenen Menschen zueignen.

Ein so gerades und genaues Benehmen geziemte Ihm, der zu dem großen Zwecke erschienen war, den Menschen aus dem beklagenswerthen Zustande seiner Entartung wieder zu der ursprünglichen Unschuld und Reinheit zurückzuführen, worin er sich gleich nach seiner Erschaffung befand. Und er lehret uns noch, behutsam zu seyn, wie wir uns mit unsern Anreden an die Menschen wenden, in jener feierlichen Erklärung, „daß die Menschen am Tage des Gerichts von jedem unnützen Worte, das sie geredet haben, Rechenschaft geben müssen.“[1] Auch sollte es allen Menschen gegen die große Freiheit, welche sie sich hierin erlauben, zur Warnung dienen, und das Zartgefühl unserer Gewissen hinlänglich rechtfertigen, wenn es gehörig erwogen wird, daß der Mensch dem Allmächtigen kaum eine größere Beleidigung zufügen kann, als wenn er die Ehrenbezeigungen, die Ihm gebühren, seinem Mitmenschen zueignet, der ein Geschöpf seines Wortes, das Werk seiner Hand ist. „Der Herr ist ein eifriger Gott, und er will seine Ehre keinem Andern geben.“ Ueberdies hat ein solches Betragen der Menschen so viel Aehnliches mit der Sünde jener aus Ehrgeiz gefallenen Engel, die größer und besser zu seyn trachteten, als der unbeschränkte Herr über Alles sie gemacht und ihnen ihre Stelle angewiesen hatte. Ja, es siehet der Abgötterei, – jener Sünde, die unter dem Gesetze unverzeihlich war, – so ähnlich, wenn wir einen Menschen über seinen Stand und Beruf, worin er von Gott gesetzt ist, erheben, daß es kaum begreiflich ist, wie männliche und weibliche Wesen, die sich


  1. Matth. 12, 36.
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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 173. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/181&oldid=3378413 (Version vom 1.8.2018)