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§. 31. Das nächste in den Urkunden der heiligen Schrift aufbewahrte Beispiel, welches gegen diese weltlichen Gebräuche zeuget, finden wir beim Hiob, wo Elihu sagt: „Ich will Niemands Person ansehen, und will keinen Menschen rühmen; (nach der englischen Bibel: keinem Menschen schmeichelhafte Titel geben;) denn ich weiß nicht, wenn ich es thäte, ob mich mein Schöpfer nicht über ein Kleines hinwegnehmen würde.“[1] Hier wird natürlich die Frage entstehen: Was für Titel als schmeichelhafte zu betrachten sind. Die Antwort leuchtet aber schon von selbst ein; denn es sind unstreitig alle solche leere und erdichtete Titel und Benennungen, die dem Menschen in der Absicht beigelegt werden, um mehr aus ihm zu machen, als er wirklich ist. Z. B. wenn man Jemand, der vielleicht nach Ehre und Ansehn begierig ist, um seiner Eigenliebe zu schmeicheln, und dadurch seine Gewogenheit oder Zuneigung zu gewinnen, das nennt, was er nicht ist, oder ihn über seinen wahren Namen und Stand, oder über sein Amt und Verdienst erhebt, indem man ihm Würden oder Eigenschaften zuschreibt, die er nicht besitzt. Dergleichen Titel und Beinamen sind z. B. unter den hohen Ständen Durchlauchtigster oder Allerdurchlauchtigster, Allerheiligster, allerhöchste Majestät, Eure Excellenz, Eure Gnaden, Eure Herrlichkeit, Eure Hochwürden, Hochehrwürden, Ehrwürden, Eure Weisheit, Wohlweisheit, und mehrere andere schmeichelhafte Ausdrücke und Benennungen, die man erfunden hat, um dem Ergeize, dem Stolze und der Eitelkeit des armen sterblichen Menschen zu schmeicheln.


  1. Hiob 32, 21. 22.
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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 171. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/179&oldid=3378411 (Version vom 1.8.2018)