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feiner Mann! oder: sie ist eine Person von sehr feinem Benehmen! Aber worin bestehet diese Bildung und dieses feine Benehmen? – In nichts anders, als in einigen gezierten Stellungen und Krümmungen, die dem Körper ganz unnatürlich sind, und Jedermann lächerlich seyn würden, wen die Mode sie nicht geböte. Eine solche Macht hat die Eitelkeit über die Menschen in unserm Welttheile gewonnen, daß ihr Benehmen in diesen Dingen den morgenländischen Völkern zu einem verächtlichen Sprichworte geworden ist!

§. 27. Achtens kann wahre Ehre nicht in Hüten, Verbeugungen und Titeln bestehen, weil diese Dinge für Geld zu haben sind. Daher giebt es so viele Tanzschulen, Schauspielhäuser u. dgl., wohin man die Jugend schickt, um die eitlen Moden und Zeremonien der Welt zu erlernen, während man sie in den Dingen, welche die Ehre Gottes betreffen, ganz unwissend läßt. So werden die zarten Gemüther der Jugend mit den sichtbaren und vergänglichen Dingen so sehr angefüllt, daß sie, statt an ihren Schöpfer zu denken, sich nur mit Tand und Possen, ja oft mit noch viel schlimmern Sachen beschäftigen, die nicht selten ihnen selbst Entehrung und Enterbung und ihren unverständigen Eltern lebenslänglichen Verdruß und Kummer zuziehen. Möchten dafür die Eltern mit dem, was sie auf eine solche Erziehung ihrer Kinder verwenden, durch Unterstützung der Armen Gott ehren! Sie würden gewiß am Tage der endlichen Abrechnung sich besser dabei stehen.

§. 28. Endlich können wir Verbeugungen, leere Titel und Hutabziehen auch aus der Ursache nicht als wahre Ehrenbezeigungen anerkennen, weil solche Gebräuche

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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 166. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/174&oldid=3378406 (Version vom 1.8.2018)