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wird, nie der Fall seyn. Denn, Jemand aus Haß Gehorsam zu leisten oder ihm Auszeichnung zu erweisen, würde gewiß etwas Seltenes seyn; und Andern Liebe, Hülfe, Dienste oder Unterstützung zu erzeigen, um sie zu betrügen oder sich an ihnen zu rächen, ist ganz unerhört. Mit solchen ächten Beweisen von Ehre und Achtung sind Heuchelei und Rachsucht durchaus unvereinbar; da es sich vernünftigerweise nicht denken läßt, daß die Menschen, um ihre bösen Gesinnungen zu bemänteln, Handlungen verrichten sollten, die gerade das Gegentheil derselben an den Tag legen.

§. 25. Unser sechster Grund ist der, daß wahre Ehrenbezeigung vom Anfange an gewesen, der Gebrauch des Hutabnehmens und der leeren Titel und Komplimente aber eine Erfindung neuerer Zeiten ist; und da also wahre Ehre schon bestand, ehe es Hüte und Titel gab, so leuchtet es klar ein, daß dieselbe in dem Gebrauche dieser Dinge nicht bestehen oder dadurch an den Tag gelegt werden kann. Auch ist die Art und Weise, der man sich zu allen Zeiten bediente, um wahre Ehre und Achtung auszudrücken, unstreitig noch immer die beste; und hierin werden wir gewiß besser durch die Lehren der heiligen Schrift, als durch die Geschicklichkeit der Tanzmeister, unterrichtet.

§. 26. Wenn, siebentens, wahre Ehre in solchen Zeremonien bestände, so würde natürlich daraus folgen, daß Diejenigen, die sie, der herrschenden Mode gemäß, am genauesten zu beobachten verständen, auch am fähigsten wären, Andern Ehre zu erweisen; und dann dürfte folglich der Mensch seinen Maßstab für die Erweisung wahrer Ehre nicht nach einem richtigen und vernünftigen innern

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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 164. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/172&oldid=3378404 (Version vom 1.8.2018)