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§. 23. Viertens haben wir für unsere Weigerung derselben noch einen triftigen Grund. Wir bemerken nämlich, daß eitle, wüste und weitlichgesinnte Menschen dergleichen Komplimente und Ehrenbezeigungen am meisten lieben und am bereitwilligsten ausüben, so wie sie auch immer am fertigsten sind, die Einfachheit unsers Betragens zu bespötteln. Und da uns nun aus den bestimmten Zeugnissen der heiligen Urkunden bekannt ist, daß solche Leute, die unter der Herrschaft eines die Menschheit entehrenden Geistes leben, nicht im Stande sind, Jemand wirklich zu ehren, doch aber die Zeremonie des Hutabnehmens und der Verbeugung des Körpers genau beobachten können, und auch nicht allein sehr freigebig damit sind, sondern auch eine besondere Fertigkeit darin besitzen; so dienet uns dieses zu einem klaren Beweise, daß solche Gebräuche, die jeder eitle Wüstling mitmachen kann, nicht die rechten Mittel sind, wahre Ehre und Achtung an den Tag zu legen.

§. 24. Fünftens füge ich noch hinzu, daß diese Gebräuche oft sogar der Heuchelei und der Rachsucht zum Deckmantel dienen. Denn wie viele Menschen giebt es nicht, die bei allen ihren Ehrenbezeigungen, die sie sich gegenseitig erweisen, dennoch einander in ihren Herzen verachten. Ja, wieviel Groll, Neid, Bitterkeit, heimliche Verleumdung und verborgene Anschläge, einander zu verderben, werden nicht oft mit diesen eitlen Zeremonien bedeckt, bis endlich der Zorn des Menschen für seine List zu stark wird, die Heuchellarve abwirft und in offene Beleidigung und Rache ausbricht. – Dieses kann aber mit der Ehre, die uns in der heiligen Schrift gelehret

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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 163. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/171&oldid=3378403 (Version vom 1.8.2018)