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verachten, die meinem Geiste widerstreben und mein Gesetz in ihren Herzen übertreten, die sollen verachtet und gering geschätzt werden, und weder bei Gott noch bei gerechten Menschen in Gunst stehen. Auch geschiehet es oft noch unter den Menschen, daß, wenn ein Großer einen Armen besucht, sich um ihn bekümmert und ihm hilft, der Letztere zu sagen pflegt, dieser große Mann habe ihm die Ehre erzeigt, ihn zu besuchen und ihm in seiner Noth zu helfen.

§. 18. Ich will diese Beweise mit noch einer Schriftstelle schließen, die eben so vielumfassend als klar und passend ist. Petrus liefert sie uns in den wenigen Worten: „Ehret Jedermann; liebet die Brüder!“[1] d.  h.: Die Liebe, welche die Ehre noch übertrifft, soll sich vorzugsweise auf die Brüder erstrecken; die Ehre aber, die in Achtung und Werthschätzung bestehet, bist du allen Menschen schuldig. Und bist du sie allen schuldig, so mußt du sie auch Denen erweisen, die geringer sind, als du. Aber warum ist es deine Pflicht, alle Menschen zu ehren? – Weil sie der edelste Theil der ganzen Schöpfung Gottes, deine Mitmenschen und folglich deines eigenen Geschlechtes sind. Darum hege natürliche Gefühle für sie; sei mitleidig, und hilf ihnen, wo du kannst; zeige dich allezeit bereitwillig, ihnen wahre Achtung zu erweisen, und laß ihnen alles Gute, und jede Unterstüzzung, die in deiner Macht stehet, widerfahren.

§. 19. Doch scheint eine Beschränkung dieses Gebotes: „Jedermann zu ehren,“ in jenen Worten des gottseligen Davids zu liegen, wo er sagt: „Herr, wer wird wohnen in deiner Hütte? Wer wird auf deinem


  1. 1 Petr. 2, 17.
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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 160. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/168&oldid=3094483 (Version vom 2.3.2018)