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mit ihm regieren mögest, der seine armen, verachteten, aber getreuen Nachfolger „mit der Herrlichkeit verkläret, die er bei dem Vater hatte, ehe die Welt war.“[1] Dieses war nun der erste Grund, der uns bewog, den Gebrauch weltlicher Ehrenbezeigungen abzuschaffen.

§. 11. Unser zweiter Beweggrund zur Unterlassung und Verweigerung der jetzt üblichen Art, einander Ehre oder Achtung in Anreden, Begrüßungen etc., zu erweisen, entsprang aus der Erwägung der gänzlichen Leerheit und Eitelkeit dieser Gebräuche, die, wenn wir auch annehmen, daß sie an sich nicht böse sind, doch nichts von wahrer Ehre und Achtung enthalten. Denn so wie Religion und Gottesverehrung im Allgemeinen so sehr ausgeartet sind, daß sie mit der in der ersten Kirche gebräuchlichen Ausübung derselben fast keine Aehnlichkeit mehr haben, so ist es auch mit den Erweisungen wahrer Ehre und Achtung der Fall. Es ist sowohl von jenen als von diesen nur wenig in der Welt anzutreffen; und von den Gebräuchen, deren man sich jetzt bedient, um Ehre und Achtung an den Tag zu legen, läßt sich keiner, weder nach der Vernunft noch nach der Schrift, rechtfertigen.

§. 12. Das Wort Ehre wird in der Schrift häufig und in verschiedener Bedeutung gebraucht. Erstlich drückt es hier Gehorsam aus; z. B. wenn Gott sagt: „Wer mich ehret,“[2] das heißt: Wer meine Gebote hält. Ferner: „Ehret den König;“ [3] das heißt: Gehorchet dem Könige. „Ehre deinen Vater und deine Mutter!“[4] d. h. wie der Apostel zu den Ephesern sagt:


  1. Joh. 17, 5.
  2. 1. Sam. 2, 30.
  3. 1. Petr. 2, 17.
  4. 2. Mos. 20, 12.
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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 153. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/161&oldid=3378394 (Version vom 1.8.2018)