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und erwäge mit der Gelassenheit und Unpartheilichkeit eines nüchternen, forschenden Geistes, was ich hier zu unserer Vertheidigung anführe. Sollten wir denn auch irren, so bedaure und belehre uns lieber, als daß du unsere Einfalt verachtest oder beleidigst.

§. 5. Der erste und stärkste Beweggrund, der am mächtigsten auf unsere Gemüther wirkte, und uns bewog, die jetzt in der Welt üblichen Gebräuche des Hutabnehmens, der Verbeugung des Körpers oder der Knie, und der Beilegung schmeichelhafter Titel und Beinamen, in unsern Begrüßungen zu unterlassen, war eine durch Gottes Licht und Geist uns gegebene Erkenntniß und Empfindung des Abfalles der Christenheit von Gott, und eine klare Einsicht in die Ursache und Wirkungen dieser großen und beklagenswerthen Abweichung. Das erste, was diese Entdeckung bei uns hervorbrachte, war ein tiefes Gefühl unsers eigenen Zustandes; wir sahen Ihn, den wir mit unsern Uebertretungen durchstochen hatten, und wurden darüber in Trauern und Reue versetzt. Ein Tag der Demüthigung überfiel uns, und wir fanden kein Behagen mehr an den Freuden und Genüssen, die wir einst liebten. Nun wurden unsre Handlungen, ehe sie vollzogen wurden, genau geprüft und untersucht, und es ward eine strenge Selbstprüfung vorgenommen. Da verstanden wir erst recht die Worte des Propheten: „Wer wird den Tag seiner Zukunft erleiden mögen? Und wer wird bestehen, wenn er erscheinen wird? Denn er ist wie das Feuer eines Goldschmiedes, und wie die Seife der Wäscher.“[1] Und was der Apostel Petrus sagt: „Wenn der Gerechte kaum erhalten wird, wie will der


  1. Mal. 3,2.
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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 146. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/154&oldid=3378387 (Version vom 1.8.2018)