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§. 3. Betrachten wir den wahren Grund der Sache, so finden wir, daß die von Gott abgewichene Welt eben so sehr in Ansehung ihrer Begriffe von wahrer Ehre und Achtung, als in andern Dingen ausgeartet ist. Denn Alles, was die Menschen in ihrem entarteten Zustande einander als Zeichen der Ehre und Achtung erweisen, ist im Grunde doch nur Schein und leere Zeremonie; so daß man dieselben Worte, deren Paulus sich von der falschen Wissenschaft bediente, auch auf sie anwenden und von ihnen sagen kann: es sind fälschlich sogenannte Beweise von Ehre und Achtung, die nichts von der Eigenschaft wahrer Ehre und wahrer Hochachtung enthalten. Und da sie zuerst von ausgearteten Menschen, die gern geehrt seyn wollten, erfunden und eingeführt wurden, so ist es auch nur der Stolz im Menschen, der sie gern hat und verlangt, und sich beleidigt findet, wenn sie ihm verweigert werden. Hätten aber die Menschen rechte Begriffe von einem wahrhaft christlichen Gemüthszustande und von der „Ehre, die von Gott ist,“[1] die Jesus lehret; so würden sie solche eitle Ehre nicht begehren, und noch weniger auf ihre Erweisung bestehen.

§. 4. Hier sei es mir erlaubt, die Gründe anzugeben und näher zu erklären, die mich und die christliche Gesellschaft, mit welcher ich in religiöser Verbindung lebe, bewogen haben, verschiedene weltliche Gebräuche und Arten der Ehrenbezeigung, auf welche in unsern Tagen so sehr gehalten wird, als eitle und thörichte Dinge zu unterlassen. Und laß mich dich bitten, Leser! Setze alles Vorurtheil und alle Verachtung bei Seite; und lies


  1. Joh. 5, 44.
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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 145. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/153&oldid=3378386 (Version vom 1.8.2018)