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sie „zuerst nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit trachten“[1] und in allem Uebrigen sich auf Gott verlassen sollten, suchen sie zuerst sich des Reichthumes und der Ehre dieser Welt zu versichern, und schieben die Sorge für des Heil ihrer unsterblichen Seelen bis aufs Krankenlager oder bis auf die letzten Augenblicke ihres Lebens auf; wenn sie wirklich noch ein künftiges Leben glauben.

§. 9. Groß ist aber endlich der Friede Derer, die ihrem Ehrgeize Schranken zu setzen wissen, und gelernt haben, mit dem, was die Vorsehung ihnen angewiesen und zugemessen hat, zufrieden zu seyn; die nicht nach Ansehn streben, sondern, wenn sie es besitzen, dabei demüthig und wohlthätig sind. Diese verstehen das Trachten ihres Geistes den Vorschriften ihres Gewissens unterzuordnen, und können zu jeder Zeit mit ruhigem Gemüthe die unruhigen Bewegungen der Welt ermessen, mitten im Schwanken ihrer Ungewißheit und Unbeständigkeit fest stehen, und als Solche, die Antheil an einer bessern Welt haben, getrost und froh die gegenwärtige verlassen, wenn es Gott gefällt, sie in der von ihm ersehenen Zeit von dem Schauplatze der Wirksamkeit abzurufen; wohingegen die Ehrgeizigen, mit dem Bewußtseyn ihrer Uebelthaten und unter der drückenden Last ihrer Schuld ins Grab sinken, um vor einem Richterstuhle zu erscheinen, der weder durch Furcht zu erschüttern noch durch Bestechung zu bewegen ist.



  1. Matth. 6, 35.
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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 140. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/148&oldid=3378381 (Version vom 1.8.2018)