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Wir wollen nur sechzig Jahre zurückgehen, und schon dieser kleine Zeitraum wird uns viele Kriege erblicken lassen, die ungerecht begonnen wurden und mit großen Verwüstungen endeten. Es würde zu langweilig seyn, auch ist mein Zweck nicht, mich weiter hierüber auszulassen; da Andere es schon oft bemerkt haben, und fast Jedermann weiß, in wie vielen blutigen und schrecklichen Kriegen Frankreich, Spanien, Deutschland, England und Holland bisher verwickelt gewesen sind.

§. 8. Der Ehrgeiz wohnet jedoch nicht allein an Höfen und bei Regierungen; ein Streben nach Ansehn und Macht ist jeder einzelnen Brust nur zu natürlich geworden. Wir sehen täglich, wie die Menschen alle ihre Kräfte aufbieten, ihren Verstand anstrengen und Einfluß zu bekommen suchen, um sich hervorzuthun und höhere Stellen oder größere Titel zu erwerben; damit sie ein vornehmeres Ansehen und mehr Ehre erlangen, über Andere ihres Gleichen ein Uebergewicht gewinnen, und so mit Denen, die sonst ihre Obern waren, ins Gleichgewicht kommen und Macht besitzen mögen, ihren Freunden Gesetze vorzuschreiben und an ihren Feinden sich zu rächen. Hierin liegt die Ursache, warum wahres Christenthum, welches alles dieses verbietet, von weltlichgesinnten Menschen so wenig geliebt wird. Sein Reich ist nicht von dieser Welt. Und wenn sie auch noch so gut davon reden, so ist dennoch die Welt der wahre Gegenstand ihrer Liebe. Man kann daher, ohne lieblos zu urtheilen, mit Wahrheit sagen, daß die mehrsten Menschen sich zwar äußerlich zum Christenthume bekennen, mit ihren Herzen aber der Welt anhangen. Statt daß

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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 139. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/147&oldid=3378380 (Version vom 1.8.2018)