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von dem Besitze eines mächtigen Reichs, hatte er im Taumel seiner Größe vergessen, daß er sich nicht selbst geschaffen habe, und daß es noch eine höhere Macht als die seinige gäbe. Er ließ ein Bild machen, vor dem Alle sich beugen oder verbrannt werden sollten; und als Sadrach, Mesach und Abednego sich weigerten, seinem Gebote zu gehorchen, rief er höhnend aus: „Laßt sehen, wer der Gott sei, der euch aus meiner Hand erretten werde!“[1] Er ward durch die Standhaftigkeit jener edlen Männer von der göttlichen Allmacht überzeugt; aber dennoch, und ungeachtet der Auslegung, die ihm Daniel von seinem Traume gegeben hatte, war bald darauf sein Herz schon wieder mit so stolzen Gefühlen seiner Macht erfüllt, daß sein Mund in die ruhmredige Frage ausbrach: „Ist nicht dieses die große Babylon, die ich durch meine große Macht erbauet habe, zum königlichen Hause und zur Ehre meiner Herrlichkeit?“[2] Aber die heilige Schrift sagt uns, daß, ehe er noch diese Worte ausgeredet hatte, eine Stimme vom Himmel den Stolz seines Geistes bestraft habe, und daß er, seiner Vernunft beraubt, aus der menschlichen Gesellschaft verstoßen worden sei, und seine Nahrung wie die Thiere auf dem Felde habe suchen müssen.

§. 5. Werfen wir einige Blicke in die Weltgeschichte, so fallen uns häufige Beispiele in die Augen, welche die Schädlichkeit dieser Leidenschaft des Stolzes an den Tag legen. Ich will nur einige derselben, um Derer willen, die sie vielleicht nicht gelesen oder nicht beachtet haben, hier berühren.


  1. Dan. 3.
  2. Kap. 4, 27.
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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 136. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/144&oldid=3378377 (Version vom 1.8.2018)