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lassen, das Blut der Zeugen Jesu, als vorgeblicher Ketzer, vergießen. So hat also die listige Schlange, jener schlaue böse Geist, der mit seinen Versuchungen Adam um seine Unschuld brachte, und die Juden verführte, von dem Gesetze Gottes abzuweichen, nun auch durch eitle Lügen die Christen betrogen und verleitet, das heilige Gesetz des Geistes Christi in ihren Herzen zu verlassen, und seine Sklaven zu werden, „der in den Herzen der Kinder des Ungehorsams herrscht.“[1]

§. 15. Es ist bemerkenswerth, daß, so wie der Stolz, der immer von Aberglauben und Starrsinn begleitet ist, Adam verleitete, sich über den Stand, in welchen Gott ihn gesetzt hatte, erheben zu wollen, und daß, so wie die Juden, durch denselben Stolz angetrieben, das ihnen von Gott durch Moses auf dem Berge gegebene Vorbild zu übertreffen suchten, indem sie „ihre Pfosten an Gottes Pfosten setzten, und ihre eigenen Menschengebote für wahre Lehren ausgaben,“[2] eben so auch die abgewichenen Namenchristen, durch dieselbe Sünde des Stolzes verleitet, mit starrem Aberglauben und kühner Anmaßung, statt der wahren geistlichen Gottesverehrung und Kirchenzucht bloß weltliche Zeremonien und Anordnungen eingeführt, und mit solchen Neuerungen und überlieferten menschlichen Meinungen vermischt haben, die, wie ihre zahlreichen Concilien und verwickelten Glaubensartikel beweisen, offenbare „Früchte der irdischen Weisheit“ sind.

§. 16. So wie nun dieser unverantwortliche Stolz sie zuerst verleitete, die geistige Beschaffenheit der christlichen


  1. Eph. 2, 3.
  2. Ezech. 43, 8. Jes. 29, 13. Matth. 15, 9.
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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 129. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/137&oldid=3378370 (Version vom 1.8.2018)