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so viel sagen will, als daß diese Weisheit, so wie die Menschen sie anwenden, statt ihnen behülflich zu seyn, ihnen vielmehr an der wahren Erkenntniß Gottes hinderlich ist. Und seine erste Epistel an seinen geliebten Timotheus schließt er mit den Worten: „O Timotheus! bewahre was dir anvertrauet ist, und meide das ungeistliche lose Geschwätz und das Gezänk der falsch berühmten Kunst.“[1] Dieses waren die herrschenden Gesinnungen der Christen in den apostolischen Zeiten, als die göttliche Gnade ihnen die wahre Erkenntniß Gottes verlieh und ihr Führer war.

§. 14. Was für Fortschritte haben nun aber die Jahrhunderte gemacht, welche auf die apostolischen Zeiten folgten? Haben sie sich besser als die jüdischen Zeiten gehalten? Nein! nicht im geringsten. Die Bekenner des Christenthums haben es vielmehr sowohl hinsichtlich auf die hohen Ansprüche auf größere Erkenntniß, als auch in Ansehung ihrer Abweichungen von dem wahren christlichen Leben, noch ärger als die Juden gemacht. Denn obgleich sie einen bessern Vorgänger als die Juden hatten, zu welchen Gott durch seinen Knecht Moses redete; indem er sich ihnen durch seinen geliebten Sohn, das Ebenbild seines Wesens, die Fülle aller Sanftmuth und Demuth, mittheilte; und obgleich ihnen nichts so sehr als die Anbetung seines Namens und die Verehrung des Andenkens seiner gesegneten Jünger und Apostel anzuliegen schien; so wurde dennoch ihre Abweichung von der innern in der Seele sich offenbarenden Kraft Gottes und von dem reinen Leben des Christenthumes so groß, daß ihre Ehrfurcht und Achtung fast in


  1. 1 Tim. 6, 20.
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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 127. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/135&oldid=3378368 (Version vom 1.8.2018)