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daß die Wirkungen, die sie hervorbringt, mit den Früchten der wahren Weisheit beständig im Widerspruche stehen. Denn so wie diese „zuerst keusch, (rein) dann friedsam, dann gelinde ist, und sich sagen läßt;“[1] so ist das Wissen entarteter, mit Selbstverleugnung unbekannter Menschen, zuerst unrein, und dann in allen Stücken das Gegentheil der Weisheit von oben. Denn es entsprang aus der Uebertretung, und erhält sich nur in einem bösen und unreinen Gewissen bei Denen, die dem Gesetze Gottes in ihren Herzen ungehorsam sind, und täglich Dinge thun, die sie nicht thun sollten; weshalb sie auch vor dem Richterstuhle Gottes in den Herzen der Menschen verurtheilt werden. Denn das Licht der Gegenwart Gottes entdeckt die verborgensten Werke der Finsterniß, die geheimsten Gedanken und verstecktesten Absichten der ungöttlichen Menschen. Dieses ist die „falsch berühmte Kunst,“[2] oder „fälschlich sogenannte Wissenschaft,“ die, so wie sie an sich unrein ist, die Menschen auch unfriedsam, verdrießlich, unbiegsam, launig, hartnäckig und verfolgungssüchtig macht, so daß sie Andere, die besser als sie seyn wollen, nicht ertragen können, und Diejenigen, die es wirklich sind, hassen und schmähen.

§. 8. Dieser eifersüchtige Stolz, diese verabscheuungswürdige Leidenschaft voll Neides und Rachsucht war es, die Kain zum Brudermörder machte. Wie? war denn seine Religion und Gottesverehrung nicht eben so gut als die seines Bruders? Es fehlte ja an keinem äußern Theile derselben. Kain opferte eben so wie Abel, und sein Opfer konnte an sich auch eben so gut als


  1. Jak. 3, 17.
  2. 1 Tim. 6, 20.
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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 123. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/131&oldid=3378364 (Version vom 1.8.2018)