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nun, mit dem Beistande des Herrn, mich ausführlicher über diejenigen Gegenstände der unerlaubten Eigenliebe verbreiten, welche die Hauptangelegenheit, Sorge und Unterhaltung der Welt ausmachen. Diese sind nun unter den drei Hauptleidenschaften, dem Stolze, dem Geitze und der Ueppigkeit begriffen, aus welchen alle andern bösen Neigungen, wie die Bäche und Ströme aus ihren natürlichen Quellen, herfließen, und deren Ertödtung gewiß mächtige Wirkungen des wahren Kreuzes erfordert; da sie, obgleich sie hier zuletzt abgehandelt werden, doch in der Erfahrung sich zuerst zeigen, und folglich auch früh der Vernichtung des Kreuzes übergeben werden müssen. Denn sobald dieses geschiehet, treten an die Stelle jener verderbten Neigungen und Gewohnheiten die gesegneten Früchte der so nothwendigen Gemüthsverbesserung, nämlich Selbstverleugnung, Demuth, Mäßigkeit, Liebe, Geduld und Himmlischgesinntheit mit allen andern geistlichen Tugenden, die den Nachfolgern Jesu, des vollkommenen Gottmenschen, wohl anstehen.


Das Streben und die Liebe aller Menschen ist entweder auf Gott oder auf sich selbst gerichtet. Diejenigen, welche Gott über Alles lieben, sind immer beschäftigt, ihre Eigenliebe den Geboten Gottes zu unterwerfen, und sie lieben sich selbst nur in dieser Unterwerfung unter ihn, der der Herr über Alles ist. Diejenigen aber, die von der wahren Liebe zu Gott abgewichen sind, lieben sich selbst mehr als Gott; denn einer von Beiden wird immer der Gegenstand unserer höchsten Liebe seyn. Mit jener ungeordneten Selbstliebe verbindet der Apostel

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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 118. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/126&oldid=3378359 (Version vom 1.8.2018)