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das Predigen des Wortes Gottes bei Einigen in vorigen Zeiten hatte, giebt der tiefblickende Verfasser der Epistel an die Ebräer deutlich an, wenn er sagt: „Das Wort der Predigt half Jenen nichts, weil Diejenigen, die es hörten, nicht glaubten.“[1] – Kann ein Prediger wohl ohne Glauben recht und nützlich predigen? Nein! So kann auch noch vielweniger Jemand ohne Glauben zu seinem wahren Nutzen beten. Denn wahre Anbetung Gottes ist die erhabenste Handlung, der das Gemüth des Menschen fähig ist; und wenn bei den weniger erhabenen religiösen Verrichtungen der Glaube nothwendig ist, so darf er gewiß bei dieser nicht fehlen.

§. 15. Dieses kann bei Einigen ihre Bewunderung mäßigen, warum Christus so oft seine Jünger mit den Worten: „O ihr Kleingläubigen!“ tadelte, und dennoch sagte, daß ein so geringes Maß wahren lebendigen Glaubens, als einem Senfkörnchen, einem der kleinsten Samenkörner, zu vergleichen ist, Berge versetzen könne. Als wenn er gesagt hätte: es giebt keine Versuchung, die so mächtig wäre, daß der wahre Glaube an ihn sie nicht überwinden könnte. Die wahre Ursache also, warum Diejenigen, welche mit Versuchungen umgeben sind, in ihrer geistlichen Noth keine Hülfe erfahren, kann nur die seyn, daß sie diesen kräftigen Glauben nicht haben. Auch war derselbe vor Zeiten so nothwendig, daß Christus an manchen Orten nicht viele mächtige Werke verrichten konnte, weil die Leute daselbst keinen Glauben hatten; und wenn er durch seine Kraft an andern Orten Wunder that, so wirkte doch der Glaube dabei mit; so daß es schwer zu bestimmen ist, ob seine Kraft durch den


  1. Ebr. 4, 2.
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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 112. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/120&oldid=3378353 (Version vom 1.8.2018)