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Gebräuchen am mehrsten durch Länge und Wiederhohlung sich auszeichnen; sondern ausdrücklich, um diese zu tadeln und sie uns vermeiden zu lehren. Gesetzt aber auch, man wäre über jene Bedürfnisse, welche den Gegenstand des Gebets ausmachen sollten, einig; – wiewohl dieses immer ein schwieriger Punkt seyn würde; – so ist es doch von noch größerer Wichtigkeit, zu wissen, wie, als was man bitten soll; da hierbei nicht sowohl der Gegenstand des Gebets, als die Gemüthsverfassung des Betenden in Betrachtung kommt. Die Sache, um welche man bittet, kann recht und gut, aber der Zustand, in dem man bittet, mangelhaft seyn. Obgleich also, – wie schon erwähnt ist, – Gott nicht bedarf, daß wir ihm unsere Bedürfnisse anzeigen, da Er sie uns zu erkennen geben muß; so will er dennoch, daß wir unser Anliegen vor ihm sollen kund werden lassen, damit wir ihn suchen mögen, und er sich zu uns herablassen könne. Und wenn dieses nun geschiehet, „so will der Herr den Elenden ansehen, der zerbrochenen Geistes ist, und der sich fürchtet vor seinem Worte.“[1] Das sind die kranken Herzen, die verwundeten Seelen, die Hungrigen und Durstigen, die Müden und schwer Beladenen, die sich aufrichtig nach einem Helfer sehnen.

§. 14. Doch ist dieses Alles zu einer vollkommnen evangelischen Anbetung Gottes noch nicht hinreichend, wenn nicht auch das vierte Erforderniß dabei ist, nämlich: der Glaube; der wahre köstliche Glaube der Auserwählten Gottes, der das Herz reinigt, die Welt überwindet und der Sieg der Gläubigen ist.[2] Dieser muß


  1. Jes. 66, 2.
  2. 1 Tim. 1, 5.   Ap. Gesch. 15, 9.   Tit. 1, 1.   2 Petri 1, 1.   1 Joh. 5, 4.
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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 110. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/118&oldid=- (Version vom 1.8.2018)