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könnten, sich still verhalten, bis sie die göttliche Bewegung des Engels gewahr werden, und es dem Geliebten ihrer Seelen gefällt, zu erwachen, den sie vor seiner Zeit nicht wecken dürfen. Ja, sie fürchten sich, in seiner Abwesenheit Andachtsübungen zu verrichten, von denen sie wissen, daß sie ihnen nicht allein keinen Nutzen gewähren, sondern sogar Tadel verdienen würden. „Wer fordert Solches von euren Händen?“[1] sagt der Herr. „Wer glaubt, der fliehet nicht.“ (Nach dem Englischen: „der eilet nicht.“) Diejenigen, welche in der Abwesenheit ihres geistlichen Führers selbsterdachte gottesdienstliche Handlungen verrichten, machen es nicht besser als jene Israeliten, die in Moses Abwesenheit ihre goldenen Ohrringe in ein gegossenes Bild verwandelten, aber auch mit ihren Bemühungen den Fluch des Herrn sich zuzogen. Auch traf Jene vor Zeiten kein besseres Loos, „die selbst ein Feuer anzündeten, und, mit Flammen gerüstet, in dem Feuer wandelten, das sie selbst angezündet hatten.“ Denn Gott sagte ihnen, „daß sie in Schmerzen liegen müßten.“[2] Es sollte ihnen nicht allein keinen Nutzen bringen, sondern sogar ein Gericht vom Herrn nach sich ziehen; Kummer und Seelenangst sollte ihr Theil seyn. Der sinnliche Mensch möchte freilich auch gern beten, wiewohl er nicht harren kann, und auch keine Geduld hat, die Vorbereitung seines Herzens abzuwarten; ja er möchte gern ein Heiliger seyn, obgleich es ihm unerträglich ist, den Willen Gottes zu thun oder zu leiden. Mit seiner Zunge lobt er Gott, und mit derselben Zunge fluchet er dem Menschen, der nach dem Bilde Gottes gemacht ist.[3] Er nennt Jesum


  1. Jes 1, 12. Kap. 28, 16.
  2. Jes. 50, 11.
  3. Jak. 3, 8-10.
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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 107. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/115&oldid=3378348 (Version vom 1.8.2018)