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Micha war sehr eifrig in dieser guten Uebung, indem er mit Entschlossenheit sagt: „Ich will auf den Herrn schauen, und den Gott meines Heils erwarten. Mein Gott wird mich hören.“[1] So redeten die Kinder des Geistes, die ein dürstendes Verlangen nach einem innern Gefühle von Gott hatten. Die Gottlosen können so nicht sprechen; und auch Die nicht, welche ohne Vorbereitung des Herzens beten, die durch stilles Harren erlangt wird. Es ward den Kindern Israels in der Wüste als Ursache ihres Ungehorsams und ihrer Undankbarkeit gegen Gott zum Vorwurfe gemacht, daß sie nicht auf seinen Rath harreten. Und wir können versichert seyn, daß es auch unsere Pflicht ist, deren Vollziehung von uns erwartet wird; da Gott sie beim Zephanja fordert: „Darum, spricht der Herr, müsset ihr wieder auf mich harren, bis ich mich aufmache zu seiner Zeit etc.“[2]. O! möchten doch Alle, die den Namen Gottes bekennen, auf diese Weise harren, und es nicht wagen, sich zu seiner Verehrung zu erheben, ohne seinen göttlichen Einfluß in ihren Herzen zu fühlen! Dann würden sie die Anregungen und das Erheben seines Geistes zu ihrer Hülfe, Zubereitung und Heiligung in ihrem Innern erfahren.

Christus gebot seinen Jüngern ausdrücklich, nicht von Jerusalem zu weichen, sondern auf die Verheißung des Vaters, auf die Taufe des Geistes zu warten,[3] wodurch sie zur Verkündigung seines herrlichen Evangeliums zubereitet und fähig gemacht werden sollten. Da erfolgte freilich eine außerordentliche Ausgießung des heiligen Geistes zu einem außerordentlichen


  1. Micha 7, 7.
  2. Zeph. 3, 8.
  3. Ap. Gesch. 1, 4.
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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 104. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/112&oldid=3378345 (Version vom 1.8.2018)