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Seine Seele war auf Gott gerichtet, von dem er Errettung und Befreiung von den Schlingen und Verführungen der Welt erwartete. Dieses setzt eine innere Gemüthsübung, eine geistliche Aufmerksamkeit voraus, die sich nicht mit der Beobachtung äußerer Formen beschäftigte, sondern nach der innern göttlichen Hülfe aussah.

David mußte in der That auch große Aufmunterung zu diesem innern Harren auf den göttlichen Einfluß finden; da die Güte Gottes ihn dazu einlud und ihn darin stärkte. Denn er sagt selbst: „Ich harrete (geduldig) auf den Herrn, und er neigete sich zu mir und hörte mein Schreien. Er zog mich aus dem Schlamme und stellte meine Füße auf einen Felsen.“[1] Der Herr erschien David in seinem Innern, seine Seele zu trösten, die auf seine Hülfe harrete, und sie von den Versuchungen und Bekümmernissen zu befreien, die sie überwältigen wollten, und er gewährte ihm Sicherheit und Frieden. Darum sagt er, „der Herr habe seine Tritte gewiß gemacht;“ das heißt: er habe sein Herz in dem Wege der Gerechtigkeit bevestigt; denn zuvor befleckte ihn jeder Schritt den er that, und er war kaum vermögend zu gehen, ohne zu fallen; da er sich von allen Seiten mit Versuchungen und Fallstricken umgeben sah. Aber er harrete geduldig auf Gott, sein Herz zog sich, wachsam und aufmerksam auf das Gesetz des Geistes Gottes, davon zurück, und da fühlte er, daß der Herr sich zu ihm neigete. Das Geschrei seiner Seele, das aus einem wahren Gefühle seines Elendes und des Bedürfnisses der göttlichen Hülfe hervorging, drang in den Himmel und

  1. Ps. 40, 1. 2.
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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 98. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/106&oldid=3378339 (Version vom 1.8.2018)