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und anzubeten, ohne daß zuvor ihre Herzen durch das Blut Jesu, welches das Gewissen von todten Werken reinigt, besprenget oder gehörig zubereitet worden sind?[1] Dieses wäre ja für den gesunden Verstand ein offenbarer Widerspruch; da es unmöglich ist, daß die Unreinen den Reinen, die Ungeheiligten den Heiligen auf eine ihm wohlgefällige Art anbeten können. Es bestehet allerdings eine heilige Verbindung und Gemeinschaft zwischen Christo und seinen Nachfolgern, aber durchaus keine zwischen Christo und Belial; so auch nicht zwischen Ihm und Denen, die seinen Geboten nicht gehorchen, die nicht unter seinem heiligen Kreuze ein Leben der Selbstverleugnung führen.

§. 9. So wenig Jemand mit seinen Sünden Gott dienen kann, eben so wenig kann er ihn auch durch Beobachtung und Vollziehung äußerer Religionsgebräuche verehren; selbst dann nicht, wenn diese von Gottes eigener Anordnung sind. Dieses war die Ursache, warum der Prophet Micha, indem er die Gefühle eines geängstigten Herzens darstellte, in den Worten ausbrach: „Womit soll ich den Herrn versöhnen? Mit Bücken vor dem hohen Gott? Soll ich mit Brandopfern und jährigen Kälbern ihn versöhnen? Meinest du, der Herr habe Gefallen an viel tausend Widdern, oder an Oehl, wenn es gleich unzählige Ströme voll wären? Oder soll ich meinen ersten Sohn für meine Uebertretung geben? Oder meines Leibes Frucht für die Sünde meiner Seele? – Es ist dir gesagt, o Mensch! was gut ist, und was der Herr von dir fordert; nämlich: Gottes Wort halten, Liebe üben und demüthig seyn vor deinem Gott.“ (Nach


  1. Petri 1, 2. Ebr. 10, 19. Kap. 9, 14. Kap. 12, 24.
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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 93. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/101&oldid=3378334 (Version vom 1.8.2018)