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geführet werden; weil es uns zu der Stunde gegeben werden soll; und da wir es dann nicht sind, die da reden, sondern der Geist unsers himmlischen Vaters es ist, der in und durch uns redet; wie viel weniger wird dann unsere eigene Geschicklichkeit erforderlich seyn, oder was haben wir dann nöthig, eine Form unserer Anrede auszustudiren, wenn wir uns dem großen Fürsten aller Fürsten, dem König aller Könige, dem Herrn aller Herren nahen. Denn, wollten wir es seiner Größe wegen thun, so verbietet uns dies Christus; oder, weil wir seine Kinder sind, so bedarf es dessen nicht. Er weiß, was wir bedürfen, und wird, als Vater, uns helfen, wenn er wirklich unser Vater ist. Demnach muß nicht allein der Mund des Körpers, sondern auch der Mund der Seele verschlossen bleiben, bis Gott ihn öffnet; und dann hört er gern seine Sprache. Aber der Leib sollte hierin der Seele nicht vorgreifen; da das Ohr des Herrn zu solchen Bitten sich neiget, und sein Geist die Flehenden mächtig vertritt.

§. 6. Man wird aber vielleicht fragen, wie eine solche Vorbereitung des Herzens erlangt werden könne?

Ich antworte: Dadurch, daß man geduldig, wachsam und mit genauer Aufmerksamkeit auf Gott harret. „Das Verlangen der Elenden,“ sagt der Psalmist, „hörest du, Herr! Ihr Herz ist gewiß, daß dein Ohr darauf merket.“[1] Und die Weisheit sagt: „Der Mensch setzt sich etwas vor im Herzen, aber vom Herrn kommt, was die Zunge reden soll.“[2] (Nach dem Englischen: „Die Vorbereitung des Herzens im Menschen und die Antwort der Zunge ist vom Herrn.“) Der Mensch muß


  1. Ps. 10, 17.
  2. Spr. Sal. 16, 1.
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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 88. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/096&oldid=3378329 (Version vom 1.8.2018)