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Christus gelehret hat, von dieser Welt seyn könnte, obgleich sein Reich von einer andern ist; – ja, die sogar in ihrer Lehre solchen abergläubischen Gebräuchen widersprechen, und dennoch nicht einsehen, daß sie bei dem Allen sich vor ihrer eigenen hohen Meinung beugen, die sie von ihren religiösen Uebungen haben, indem sie die Vollziehung einiger Stücke ihres Gottesdienstes, die sie in ihrer fleischlichen Ruhe und Bequemlichkeit störet, und die Pünktlichkeit, mit welcher sie dieselbe beobachten, als kein kleines Kreuz für sie betrachten. Solche stehen gewöhnlich in dem Wahne, daß sie in dem Bezirke der Nachfolge Jesu und im Schooße der christlichen Kirche sicher genug sind, wenn sie sich nur von groben und schändlichen Sünden enthalten, oder das Böse nicht wirklich und mit der That ausüben, obgleich sie den Gedanken an dasselbe Raum geben und in ihren Gemüthern freien Lauf lassen. Allein auch dieses ist ein viel zu niedriger Begriff von dem Charakter und der Wirkung des Kreuzes Christi, und es werden gewiß Alle, die sich mit dem Gedanken schmeicheln, daß ein solches Aufnehmen und Tragen desselben hinreichend sei, am Ende beim Mitternachtsgeschrei als Solche, die auf den Sand gebauet haben, sich schrecklich betrogen finden; denn Christus erklärt: „Ich sage euch aber, daß die Menschen am Tage des Gerichts von jedem unnützen Worte, das sie geredet haben, Rechenschaft geben müssen.“[1]

§. 2. Gott siehet bei den religiösen Handlungen der Menschen nicht auf die äußere Verrichtung derselben, sondern vielmehr auf die Triebfedern, die sie dazu bewegen. Die Menschen können oft – und Viele thun es –


  1. Matth. 12, 36.
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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 84. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/092&oldid=3378325 (Version vom 1.8.2018)