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sie auch und schätze sie hoch. Christus selbst hat sie uns durch sein Beispiel empfohlen. Er liebte und suchte oft einsame Oerter auf Bergen, in Gärten und an Seegestaden. Einsamkeit ist zum Wachsthume in der Gottseligkeit nothwendig; ich ehre die Tugend, die sie sucht und benützt, und wünsche, daß mehr davon in der Welt anzutreffen wäre. Nur sollte sie frei gewählt, nicht erzwungen seyn. Denn was für Vortheil kann das Gemüth aus der Einsamkeit ziehen, wenn sie ihm eher zur Strafe als zum Vergnügen dienet. Ja, ich habe es bei Andern, die das Klosterleben nicht billigen, schon lange als einen Fehler angesehen, daß sie keine Zufluchtsörter für Bekümmerte, Versuchte, Verlassene und Religiösgesinnte haben, wo diese ungestört auf Gott harren und ihre religiösen Gemüthsübungen durchgehen könnten, um hernach, gestärkt, und mit mehr Kraft, sich selbst zu beherrschen, versehen, wieder in die Geschäfte des Lebens treten zu können; wiewohl allerdings je weniger, je besser. Denn in freier Einsamkeit wird göttliches Vergnügen gefunden.



Sechstes Kapitel.

§. 1. Auch Menschen, die in ihrem Glauben und in der Ausübung ihrer religiösen Grundsätze mehr verfeinert sind, machen sich dennoch hinsichtlich der Religion, der unerlaubten Eigenliebe schuldig. §. 2. Gott siehet bei der Verehrung und Anbetung, die wir ihm leisten, auf die Beweggründe, die wir dazu haben.

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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 81. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/089&oldid=3378322 (Version vom 1.8.2018)