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Leben. Und wie könnten sie auch anders seyn; da sie aus irdischer Masse bestehen, und ihre Gestalt und Verfertigung der Erfindung und Arbeit weltlicher Künstler verdanken? Ist es also wohl möglich, daß solche Kreuze Diejenigen, die sie tragen, zu bessern Menschen machen können? Nein! wahrlich nicht.

§. 9. Es sind Joche, die den verderbten Neigungen der Menschen keinen Zwang anlegen; Kreuze, die ihnen nie widersprechen. Eine ganze Ladung solcher Kreuze würde den Menschen immer in demselben unverbesserten Zustande lassen, worin sie ihn findet; denn sie können die sündlichen Neigungen aus seinem Herzen nicht vertreiben. Hiervon, fürchte ich, sind leider nur zu Viele, die sich des falschen Kreuzes bedienen, ja dasselbe sogar anbeten, in ihrem Innern überzeugt, wiewohl sie sich dennoch viel darauf einbilden, daß sie es tragen. Dieses kann aber nur der Fall mit den falschen; nie mit dem wahren Kreuze seyn; da dieses bei Denen, die es aufrichtig tragen, gar keinen Stolz duldet.

§. 10. So wie aber die Religion solcher Menschen beschaffen ist, so hat auch ihr Kreuz ein sehr prächtiges, triumphirendes, hinreißendes Ansehen. Aber worin bestehet dieses? – In kostbaren Metallen und Edelsteinen; – eine Beute, die der Aberglaube ihren Geldsäcken raubt. Statt daß diese Kreuze die Herzen Derer, die sie tragen, belehren sollten, die irdischen Schätze zu verleugnen, sind sie vielmehr aus Kostbarkeiten zusammengesetzt, und werden auch, wie ihre Besitzer selbst, nach ihrer Pracht geschätzt. Ein reich besetztes Kreuz findet viele Angaffer und Bewunderer, ein ungeschmücktes hingegen wird, wie dieses auch bei andern Dingen der Fall

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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 75. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/083&oldid=3378316 (Version vom 1.8.2018)