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gehen aus den Wirkungen einer höchst unerlaubten Eigenliebe hervor, und während sie sich einbilden, dadurch Gott zu dienen, verirren sie sich auf eine gefahrvolle Weise von dem wahren Kreuze Christi und von jener heiligen Verleugnung, die Er vorgeschrieben hat. Es ist wahr, sie haben wirklich ein Kreuz; allein es scheint nur ein Stellvertreter des wahren Kreuzes zu seyn; und es ist so bescheiden und nachgiebig, daß es Alles zugiebt, was seine Träger nur wollen. Denn anstatt ihren Willen dadurch zu ertödten, richten sie es nach ihrem Willen ein, und gebrauchen es auch nur ihrem Belieben gemäß! Auf diese Art ist das Kreuz das Zeichen Derjenigen geworden, die Alles thun, was sie gelüstet. Dennoch wollen sie, dieses Kreuzes wegen, für Jünger Desjenigen gelten, der niemals seinen eigenen Willen, sondern allezeit den Willen seines himmlischen Vaters that.

§. 8. Da die fleischlichen Begriffe der Menschen dieses Kreuz erdacht haben, so ist es so beschaffen, daß Fleischlichgesinnte dasselbe gar wohl tragen können. Eben darum ist es aber auch nicht das Kreuz Christi, (nicht die göttliche Kraft,) wodurch Fleisch und Blut gekreuzigt werden. Tausende solcher Kreuze haben nicht mehr Kraft und Wirkung, als das kleinste Stückchen Holz; es sind armselige, leere Schatten, die nicht einmal wirkliche Bilder des wahren Kreuzes sind. Einige tragen sie als Zaubermittel bei sich, können aber niemals ein einziges Uebel damit von sich abwehren. Sie sündigen mit dem Kreuze auf ihrem Rücken; und wenn sie es auch an ihrem Busen tragen, so ruhen dennoch in demselben ihre Lieblingslüste ganz ungestört. Wie die stummen Götzen, welche Elia verspottete, sind auch sie ohne Kraft und

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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 74. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/082&oldid=3378315 (Version vom 1.8.2018)