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folgten, und eine schmerzhafte Nachricht von seinen Verlusten nach der andern einlief, bis er fast so nackend und bloß als bei seiner Geburt war, da war das erste, was er that, dieses, daß er niederfiel und die Macht anbetete, und die Hand küßte, die ihm Alles genommen hatte. Ja, er war so weit entfernt, wider Gott zu murren, daß er bei dem Verluste seiner Güter und aller seiner Kinder ausrief: „Ich bin nackend von meiner Mutter Leibe gekommen, nackend werde ich wieder dahinfahren. Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen; der Name des Herrn sei gelobet.“[1] Welch ein fester Glaube, welche Geduld und Zufriedenheit dieses vortrefflichen Mannes! Man hätte glauben sollen, die wiederholten Nachrichten von seinem Untergange wären hinreichend gewesen, sein Vertrauen auf Gott umzustoßen; aber das geschah nicht; es blieb seine Stütze. Auch erklärt er uns, warum? Sein Erlöser lebte. „Ich weiß,“ sagt er, „daß mein Erlöser lebt!"[2] Und es zeigte sich klar, daß er lebte; denn er hatte ihn von der Welt erlöset. Sein Herz hing nicht an seinen irdischen Besitzungen; seine Hoffnung war sowohl über die Freuden der Zeit als über die Leiden der Sterblichkeit erhaben; denn er war fest überzeugt, daß er, „wenn gleich die Würmer seinen Leib verzehren würden; dennoch mit seinen Augen Gott schauen werde.“[3] So war Hiobs Herz nicht allein dem göttlichen Willen unterworfen, sondern fand auch darin seinen Trost.

§. 15. Das nächste große Beispiel einer merkwürdigen Selbstverleugnung, welches wir in der heiligen Geschichte vor den Zeiten der äußern Erscheinung Christi aufgezeichnet



  1. Hiob 1, 21.
  2. Kap 19, 25.
  3. V. 26.
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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 55. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/063&oldid=3378296 (Version vom 1.8.2018)