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er sein Vaterland verließ, wo er, – wie sich leicht vermuthen läßt, – Alles im Ueberflusse, oder doch wenigstens zur Genüge besaß. Und warum verließ er es? – Weil Gott ihn rief. Dieses sollte freilich immer ein hinreichender Grund in ähnlichen Fällen seyn; allein die Welt ist so sehr entartet, daß es sich in der Wirklichkeit nicht so verhält. Denn, wenn Jemand heut zu Tage dieselbe Handlung aus denselben Beweggründen vollzöge, so würde man ihn deßhalb verlachen, obgleich man sie bei Abraham lobt und preiset. So sehr sind die Menschen schon gewohnt, nichts von dem zu verstehen, was sie loben und empfehlen, ja, sogar dieselben Handlungen bei ihren eigenen Zeitgenossen zu verachten, welche sie bei ihren Vorfahren zu bewundern vorgeben.

§. 13. Abraham war indessen dem göttlichen Befehle gehorsam, und die Folge davon war, daß ihm Gott ein großes Land gab. Dieses war die erste Belohnung seines Gehorsams. Die nächste war ein Sohn in seinem hohen Alter; und zwar – was die Segnung noch erhöhete, – als seine Frau, der Naturordnung gemäß, über die Zeit des Kindergebärens hinaus war.[1] Dennoch verlangte Gott diesen Liebling, ihr einziges Kind, die Freude ihres Alters, den Wundersohn, von dem die Erfüllung der Verheißung abhing, welche Abraham gegeben war; diesen Sohn, sage ich, verlangte Gott! – Wahrlich eine große Prüfung, von der man wohl hätte denken mögen, daß sie leicht im Stande gewesen wäre, den Glauben des Erzvaters zu erschüttern und seine Standhaftigkeit wankend zu machen. Wenigstens hätte er dabei in Zweifel gerathen und ganz natürlich so schließen


  1. 1 Mos. 22.
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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 52. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/060&oldid=3378293 (Version vom 1.8.2018)