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der Welt anklebt; und es ist wirklich bedauernswürdig anzusehen, wie sehr die Neigungen der Menschen von der Sorge für ihre Bequemlichkeit eingenommen und ihre Gedanken mit der Einrichtung derselben beschäftigt sind. Wer sich wahrhaft selbst verleugnet, ist ein Pilger, der Selbstsüchtige hingegen, ein Ansiedler in dieser Welt. Jener bedient sich ihrer, wie man Schiffe gebraucht, zur Ueberfahrt, um nach Haus zu kommen. Der Andere, – was er auch immer schwatzen mag, – sieht oder sorgt nicht weiter, als wie er sich hier am besten im Ueberflusse niederlassen und in Gemächlichkeit festsetzen möge; und dieses liebt er so sehr, daß er, wenn es in seiner Macht stände, seinen Zustand nie vertauschen möchte. Er mag sich auch mit den Gedanken an eine andere Welt nicht beunruhigen, bis er endlich überzeugt wird, daß er nicht länger in dieser Welt leben kann. Aber ach! dann ist es zu spät, wenn er nicht zu Abraham, sondern zu dem reichen Manne gewiesen wird, dessen Geschichte eben so wahr als traurig ist.

§. 11. Von der andern Seite betrachtet, ist es aber auch nicht umsonst, daß die Jünger Jesu sich verleugnen; Christus selbst hatte die ewige Freude im Auge, da er, wie der Verfasser der Epistel an die Hebräer uns sagt, um der ihm vorgestellten Freude willen „das Kreuz erduldete;“[1] das heißt, sich selbst verleugnete, den Spott der Gottlosen ertrug, von ihren grausamen Händen den Tod erlitt, und die Schande, nämlich die Beschimpfung und Verhöhnung der Welt, verachtete. Dieses Alles machte ihn nicht furchtsam und schreckte ihn nicht zurück,


  1. Hebr 12, 2.
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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 50. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/058&oldid=3378291 (Version vom 1.8.2018)