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Es mögen sich freilich wohl nicht viele Menschen in der Welt finden, für welche die Lehre von der Verleugnung der erlaubten Eigenliebe geeignet ist; da der größte Theil derselben sich Tag für Tag den Freuden der unerlaubten Eigenliebe überläßt. Um aber das Ganze gehörig zu behandeln, und weil die gegenwärtige Abhandlung vielleicht Einigen in die Hände fallen mag, die in dem geistlichen Kampfe so weit vorgedrungen sind, daß ihnen einiger Nutzen daraus zuwachsen könnte; so will ich diesen Gegenstand doch wenigstens berühren.

§. 7. Die erlaubte Eigenliebe, die wir zuweilen verleugnen müssen, bestehet in dem Genusse jener Bequemlichkeiten, Annehmlichkeiten und reichlichen Vorräthe des Lebens, die an sich keinesweges etwas Böses, sondern vielmehr Wohlthaten und Segnungen Gottes sind, z.B. Gatte und Gattin, Kinder, Häuser, Land, Ruf, Freiheit und das Leben selbst. Dieses sind Gaben Gottes, die wir mit erlaubtem Vergnügen genießen, veredeln, verbessern und rechtmäßig besitzen können. Wenn aber Gott, der sie uns verlieh, zu irgend einer Zeit sie von uns fordert, oder als der Darleiher das Seinige zurück verlangt, oder wenn es ihm gefällt, dadurch, daß wir uns von ihnen trennen müssen, unsere Anhänglichkeit an ihn und an jene Gegenstände zu prüfen, – alsdann, sage ich, wenn sie mit ihm in Vergleichung treten, müssen sie ihm nicht vorgezogen sondern verleugnet werden. Christus selbst verließ die Herrlichkeit seines Vaters und ward freiwillig der Verachtetste unter den Menschen; damit er uns Ehre bei Gott erwürbe; und „wiewohl er in Gottes Gestalt war, und es nicht für einen Raub hielt, Gott gleich


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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 47. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/055&oldid=3378288 (Version vom 1.8.2018)