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Jene waren freilich große Fürsten und auch Eroberer ihrer Art, allein nach ganz andern Grundsätzen. Denn Christus erniedrigte sich selbst, um das Menschengeschlecht zu retten; jene hingegen richteten eine Menge Völker zu Grunde, um ihr Ansehn zu erhöhen und ihren Ruhm zu vergrößern. Jene überwanden Andere, nur nicht sich selbst; Christus überwand die Selbstsucht, die sie beständig besiegte. So war Christus, dem Verdienste nach, gewiß der erhabenste Fürst und Eroberer. Auch vergrößerten jene ihre Reiche durch Raub und Blutvergießen; Christus hingegen erweiterte das seinige durch Leiden und sanfte Ueberredung. Er suchte nie seinen Zweck durch Zwang zu erreichen; sie verfolgten allezeit ihre Absichten mit Gewalt. Elend und Sklaverei begleiteten alle ihre Siege; die seinigen brachten seinen Ueberwundenen nur desto größere Freiheit und Glückseligkeit. In allen ihren Thaten suchten sie nur sich selbst zu gefallen; in Allem, was er that, bezielte er den Wohlgefallen seines himmlischen Vaters, der ein Gott über alle Götter, ein König über alle Könige, und ein Herr aller Herrn ist.

Dieses ist das vollkommenste Muster der Selbstverleugnung, dem wir folgen müssen, wenn wir je zur Herrlichkeit gelangen wollen; und um dieses Ziel zu erreichen, laßt uns die Eigenliebe ihrer wahren Bedeutung und ihrem ganzen Umfange nach betrachten.

§. 6. Es giebt eine erlaubte und eine unerlaubte Eigenliebe, und die erstere muß in gewissen Fällen eben sowohl als die letztere um Seinetwillen verleugnet werden, der in der Unterwerfung unter den Willen Gottes Nichts zu werth und zu theuer schätzte, um uns zu erretten.


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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 46. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/054&oldid=3378287 (Version vom 1.8.2018)