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Kreuz gegen seine verderbten Neigungen auf, so giebt dasselbe ihm auch Kraft, der Versuchung zu entgehen. Diejenigen hingegen, welche die Versuchungen ansehen und betrachten, und sich dabei aufhalten, fallen endlich in dieselben hinein, und werden von ihnen überwunden, wovon die Folge alsdann Schuld, Gewissensangst und Gericht ist.

So wie nun das Kreuz Christi nichts anders als derjenige Geist und diejenige Kraft im Menschen – jedoch nicht vom Menschen selbst, sondern allein aus Gott – ist, wodurch den fleischlichen Neigungen und Begierden in ihm beständig entgegengewirkt, gleichsam ein Kreuz- oder Querstrich gemacht, und mit Zucht und Bestrafung begegnet wird; so bestehet auch die wahre Aufnahme des Kreuzes in nichts anders, als in einer gänzlichen Hingebung der Seele zum Gehorsame gegen die Offenbarungen und Forderungen dieses göttlichen Einflusses; wobei der Mensch weder seine weltlichen Vergnügungen, noch seine fleischliche Gemächlichkeit, noch seine irrdischen Vortheile zu Rathe ziehen darf, – denn sonst ist er in einem Augenblicke gefangen, – sondern beständig gegen jede Erscheinung des Bösen auf der Wache stehen, und durch den Gehorsam des Glaubens, nämlich der wahren Liebe und des festen Vertrauens zu Gott, jene böse Selbstsucht freudig dem Kreuzestode übergeben muß, die, weil sie die Hitze der Belagerung des Seelenfeindes nicht aushalten und in der Stunde der Versuchung die Geduld nicht bewahren kann, vermöge ihrer nahen Verwandtschaft mit dem Versucher, wie ein innerer Judas die Seele verrathen und in seine Hände überliefern würde.


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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 41. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/049&oldid=3378282 (Version vom 1.8.2018)