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Aergerniß und die Schmach des heiligen Kreuzes hörten auf, die Kraft der Gottseligkeit verschwand, an Selbstverleugnung ward nicht mehr gedacht. Man war allerdings sehr fruchtbar in Erfindung neuer Zeremonien und Verzierungen, allein desto unfruchtbarer im Guten; die köstlichen Früchte des Geistes blieben zurück. Denn Tausende von Schalen können nicht einen einzigen Kern, und viele todte Körper nicht einen lebendigen Menschen ersetzen.

§. 9. So sank die Religion von der lebendigen Erfahrung zu überlieferten Meinungen, die wahre Gottesverehrung von der Kraft zu der leeren Form, von dem Leben des Geistes zu dem todten Buchstaben herab. Statt lebendiger und kräftiger Gebete, die aus einem tiefen Gefühle unserer Bedürfnisse entspringen, und unter dem Beistande des heiligen Geistes hervorgebracht werden. – Gebete, in welchen die Alten mit Gott rangen, und ihn übermochten, – hörte und bemerkte man ein eingeübtes Gemurmel, eine schale, bloß aus körperlichen Beugungen und Schmiegungen, Gewänden und Geräthen, Wohlgerüchen, Gesängen und musikalischen Tönen zusammengesetzte, kraftlose Formalität, die eher zum Empfange eines irrdischen Fürsten, als zur himmlischen Verehrung und Anbetung des allein wahren und unsterblichen Gottes, eines ewigen und unsichtbaren Geistes, geeignet ist.

Da aber einmal dein Herz fleischlich geworden war, so ward es nun auch deine Religion, die du, weil sie dir so, wie sie war, nicht gefiel, nach deinem eigenen Gefallen umbildetest; uneingedenk der Worte des heiligen Propheten:

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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 33. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/041&oldid=3378274 (Version vom 1.8.2018)