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überwinden. Dieses ist das Leben des heiligen und gesegneten Kreuzes Christi, wovon in dieser Abhandlung noch nähere Erklärung gegeben wird, und welches du, o Mensch! aufnehmen mußt, wenn du je ein wahrer Jünger Jesu werden willst. Wie könnte auch sonst von dir gesagt werden, daß du Christum aufgenommen habest, oder daß du an ihn glaubest, wenn du noch immer sein Kreuz verwirfst. Denn, da Christum aufzunehmen das von Gott verordnete Mittel zur Seligkeit ist, so ist auch das tägliche Tragen seines Kreuzes der einzige wahre Beweis, daß man ihn wirklich aufgenommen habe, und darum hat er es auch Allen als das große Kennzeichen seiner Nachfolge mit den Worten auferlegt: „Wenn Jemand mit nachfolgen will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf, und folge mir.“[1]

Hieran hat es dir, o Christenheit! bisher so sehr gefehlt, und dieser Mangel ist die einzige Ursache deines traurigen Abfalles vom wahren Christenthume. Dieses nun wohl zu erwägen, ist eben sowohl deine Pflicht, als es dir zu deiner Wiederherstellung gewiß sehr behülflich seyn wird. Denn, so wie der Arzt durch die Kenntniß der Ursache einer Krankheit in den Stand gesetzt wird, ein richtiges und sicheres Urtheil über die anzuwendenden Heilmittel zu fällen, eben so wird es auch dir auf dem Wege deiner Genesung Licht und Aufschlüsse geben, wenn du die erste Ursache dieser geistlichen Krankheit und Schwäche, die dich befallen hat, recht einsiehest und reiflich erwägest. Um aber diese Absicht zu erreichen, wird es nöthig seyn, auf deinen ursprünglichen Zustand, und


  1. Matth. 16, 24.
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Wilhelm Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Georg Uslar, Pyrmont 1826, Seite 24. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Penn_Ohne_Kreuz_keine_Krone.djvu/032&oldid=3378265 (Version vom 1.8.2018)